Di Renjie - eine biographische Skizze

Di Renjie (狄仁傑) (630-700) war Beamter und Würdenträger sowohl in der Tang-Dynastie wie auch während der Zeit der Kaiserin Wu Zetian. Wie auch sein (historisch späterer) Amtskollege Bao Zheng war er zu Lebzeiten als gradlinig und gerecht berühmt. Und später als Held im Genre Gong'an. Wobei der Ruhm des fiktionalen Di Renjie heute mehr nachhallt als seine historischen Errungenschaften.

Geboren wurde Di Renjie im Jahre 630 in der damaligen Provinz Bing (heute ein Teil der Provinz Shanxi). Das Beamtentum schien ihm in die Wiege gelegt - sowohl der Großvater Di Xiaoxu wie auch der Vater Di Zhixun erreichten schon hohe Posten. Nach dem erfolgreichen Bestehen der Examen wurde ihm dann auch ein Posten in Bian (heute Kaifeng in Henan) zugeteilt. Als ihn schon bald Neider wegen unorthodoxer Methoden anschwärzten, entschied der den darauf folgenden Prozess führende Richter ... auf Beförderung. Tenor der Urteilsbegündung war, dass Di vielleicht nicht ganz korrekt handelte, es aber für das Gemeinwohl sinnvoll war. 

Um 676 hatte Di Renjie es ans Oberste Gericht geschafft, wo er ein immenses Arbeitspensum vorlegte. Nicht weniger als 17.000 Fälle soll Di in nur einem Jahr bearbeitet haben. Also mindestens 46 an einem Tag, vielleicht wurde hier also etwas übertrieben. Wichtig war jedoch, dass es über seine 17.000 (oder so) Urteile keine einzige Beschwerde gab. Der Mann war offensichtlich gut.

Beliebt allerdings manchmal weniger. So zögerte er nicht, wichtige Politiker und Beamte anzuklagen. Und schaffte es, in der Region südlich des Jangtsekiang sogar die Religion ökonomischer zu machen: Er reduzierte die Tempelgötter auf nur wenige wichtige, und ließ rund 1.700 (die Zahlengleichheit klingt verdächtig) kleinere, teils so gut wie unbekannten Göttern geweihte Tempel schlicht abreißen. Dass dies den jetzt ohne Spendengelder und Dach über dem Kopf dastehenden Priestern nicht gefallen haben mag, man kann es vermuten.

Während der Regentschaft der Kaiserinwitwe Wu Zetian (ab 683), und noch mehr nach ihrem Aufstieg zur allein herrschenden Kaiserin (ab 690), brachen auch für Di Renjie turbulente Zeiten an. In denen sich bewährte, dass er sich strikt an Regeln und konfuzianische Prinzipien hielt. Bei ihm wusste man immer, woran man ist.

Das fiel auch der Kaiserin auf, die ihn trotz vieler Meinungsverschiedenheiten (und mit zeitweisen Rückschlägen) als Berater, sogar als Minister am Kaiserhof hielt. Als Di im November 700 eines natürlichen Todes starb, soll die Kaiserin geweint haben. Wahrscheinlich 170 Tränen.

Das Grab des historischen Di Renjie findet sich in Luoyang (Henan), im 白馬寺 (Báimǎ Sì, übersetzt "Tempel des/der weißen Pferde/s"). Dem angeblich ersten buddhistische Tempel in China überhaupt. Dieser hat nach reichlich Umbauten allerdings kaum noch Ähnlichkeit mit dem Tempel zu Dis Zeiten. Und auch sein "Grabstein" ist definitiv neueren Datums. Die Authentizität und Lage des Grabes allerdings scheint historisch gesichert zu sein.

Illustration: Ein Portrait des Di Renjie in einem chinesischen Album mit "Portraits bekannter Männer" - der unbekannte Künstler schuf das Bild um 1900, heute ist das Album im Besitz des Philadelphia Museum of Art (USA).

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