Shi Tao - Künstler zwischen Ming und Qing
Viele Illustrationen in diesem Blog sind Adaptionen von Bildern des Mönches Shi Tao, dessen Pinselstriche oftmals klassische Landschaften und Szenen festhielten. Wie man sie auch im Jianghu erwarten kann. Und wie sie, zumindest ähnlich, in Filmen oft gezeigt werden. Wer aber war dieser Künstler?
Shi Tao (石濤) hieß eigentlich Zhū Rùojí (朱若极) und wurde 1641 in Qingjiang (Provinz Guangxi) geboren - zu seinem Pech in die Familie des Adligen Zhū Hengjia, Teil des Kaiserhauses der Ming.
1644 wurde dieses Kaiserhaus von den Qing brutal abgelöst, der Zhongzhen-Kaiser beging in Beijing Selbstmord, Zhū Hengjias Familie wurde komplett hingemeuchelt. Der dreijährige Zhū Rùojí entgkam diesem Massaker allerdings durch Zufall, und lebte unauffällig unter dem Namen Shi Tao. Sieben Jahre später trat er in ein buddhistisches Kloster ein, hier erhielt er den Mönchsnamen Dàojì (道濟). 1690 zog er nach Beijing, konnte aber nicht die angestrebte Klosterkarriere machen. Dies schien vor allem mangels Förderern zu scheitern - was ob seiner Herkunft in der frühen Qing-Dynastie durchaus verständlich erscheint. Damit unzufrieden, konvertierte er 1693 zum Daoismus, ging nach Yangzhou, und starb dort 1707.
Shi Tao ist ein herausragender Vertreter der "individualistischen" Malerei der frühen Qing-Dynastie, die vor allem von Gelehrten und Literaten geprägt wurde, und oft mit Traditionen brach. Geprägt werden seine Bilder durch die nasse Maltechnik mit kräftigen Pinselstrichen. Dabei setzte er neben teils ungewohnten Perspektiven bewusst "negative" (weiße) Flächen ein, damit den Eindruck von Entfernung schaffend. Nach seiner "Schule" gefragt, meinte Shi Tao nur, dass über sowas lache, es sei einfachs ein eigener Stil.
Die meisten von Shi Taos Werken sind Landschaften, oft mit konkreten Ortsangaben versehen, teilweise auch mit Kommentaren oder Gedichten ergänzt. Dabei wollte er aber auch etwa die "verborgenen Kräfte von Himmel und Erde" bildlich darstellen. Dadurch werden einige Bilder dann wieder fast surrealistisch, und standen mit den (von Shi Tao selbst bereisten) realen Landschaften nur noch in losem Zusammenhang. Man kann zwar die Realität erkennen, zumindest erahnen, jedoch wurde diese oft von Shi Tao "verbessert".
Illustration: Selbstporträt Shi Taos (ca. 1700)

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