Epochal - die Dynastien und anderen Perioden des chinesischen Geschichte
Der Kaiserbegriff ist mit China verbunden wie der Gedanken von den Dynastien, die das Land beherrschten. Kann man Ersteres noch als griffige Hilfskonstruktion sehen, ist Letzteres oft eher ein Irrtum.
Denn weder gab es bis in die Neuzeit ein gefestigtes Reich "China", noch wurde dies von schön an der Schnur aufgereihten Dynastien beherrscht. Werfen wir also gemeinsam einen Blick auf die relevantesten Herrschaftsperioden der Geschichte ... wobei wahrlich nicht jede Herrscherfamilie oder auch nur regional herrschende "Kaiser" erwähnt werden können.
- Xia, 2070-1600 v. Chr. - das königliche Herrscherhaus der Familie Si ist geschichtlich nicht sicher belegt, gilt deswegen als "halb legendär". Ethnisch kamen die Herrscher aus dem Volk der Huaxia ... das wiederum keines ist, sondern eine Hilfskonstruktion zur Einordnung der multikulturellen Zeit vor den Han ist.
- Shang, 1600-1046 v. Chr. - königliche Herrscher aus der Familie Zi.
- Westliche Zhou, 1046-771 v. Chr., und Östliche Zhou, 770-256 v. Chr. - beherrscht von den Königen der Familie Ji, deren Machtzentrum nach einer Rebellion gen Osten wanderte.
- Qin, 221-207 v. Chr. - Qin Shi Huang (259-210 v. Chr.) war Gründer der kurzen Dynastie der Familie Ying, führte aber als erster den von ihm erfundenen Titel "Huángdì". Dieser wird meist griffig als "Kaiser" übertragen, bedeutet aber eher "Heiliger Herrscher" oder "Göttlicher Fürst". Trotz seiner kurzen Regierungszeit ist er vielleicht der heute bekannteste "Kaiser von China", denn wer schon seinen Namen nicht weiß, hat zumindest von seiner Terracotta-Armee gehört.
- Westliche Han, 202 v. Chr. - 9 n. Chr. - die Herrschaftsperiode der Familie Liu, die den Kaisertitel weiterführte, aber aus der genauer definierten Ethnie der Han stammte.
- Xin, 9-23 - Wang Mang (45 v. Chr - 23 n. Chr.), ein Beamter und Verwandter der Liu, ergriff für kurze Zeit die Macht und sorgte für ein in seiner historischen Interpretation umstrittenes Zwischenspiel. Es ist natürlich Irrsinn, die Zeit nur eines Herrschers als "Dynastie" zu bezeichnen (... wird aber durchaus gemacht).
- Östliche Han, 23-220 - die Familie Liu sitzt wieder auf dem Thron.
- Zeit der Drei Königreiche, 220-280 - die Familien Cao, Liu und Sun schwingen sich zu "Kaisern" ihrer regionalen Herrschaftsbereiche auf.
- Jin, 266-420 - die Familie Sima herrschte über ein in seinen Grenzen fluktuierendes Gebiet, teilweise wird diese Periode auch in "Westliche Jin" (bis 316) und "Östliche Jin" geteilt.
- Zeit der Sechzehn Königreiche, 304-439 - noch während der Jin-Dynastie entwickelten sich eigenständige, konkurrierende Herrschaftsstrukturen auf meist regionaler Basis, nur ein Teil wurde von den Han dominiert, viele beanspruchten den Kaisertitel.
- Zeit der Nördlichen Dynastien, 386-581 - ebenfalls regionale "Kaiser" herrschten über das nördliche China.
- Zeit der Südlichen Dynastien, 420-589 - und noch mehr regionale "Kaiser" herrschten über das nördliche China.
- Sui, 581-619 - der Familie Yang gelang die "Wiedervereinigung", es gab wieder nur einen Kaiser.
- Tang, 618-690 und 705-907 - die Blütezeit des "mittelalterlichen" China unter der Familie Li, nur unterbrochen durch die Herrschaft der Wu Zhou, 690-705. Die Konkubine des Taizong-Kaisers und Witwe des Gaozong-Kaisers übernahm als Regentin das Zepter, um sich dann selbst 690 zur Zetian-Kaiserin auszurufen. Die einzige (nominell wie auch de facto) allein regierende Kaiserin der gesamten chinesischen Geschichte.
- Zeit der Fünf Dynastien (907-960) und Zehn Königreiche (907-979) - nach der Tang-Dynastie zerbrach das Reich wieder in konkurrierende Reiche, die sich teils zur Legitimierung direkt auf die Tang-Herrscher beriefen.
- Liao (916-1125) und Westliche Liao (1124-1218) - die Herrschaft der Familie Yelü, die ethnisch den Khitan angehörte und ganz grob ein Teil der Mongolen war.
- Song, 960-1279 - nahezu parallel entstand das Han-Reich der Familie Zhao, das sich kontinuierlich vergrößern konnte, teilweise in Nördliche und (ab 1127) Südliche Song unterschieden.
- Westliche Xia, 1038-1227 - die Kaiser aus der Familie Weiming herrschten über ein Gebiet in Zentralchina (heutige Bezeichnung) und stammten aus der Ethnie der Tangut, einem chinesisch wie auch tibetanisch verwurzeltem Volk.
- Jin, 1115-1234 - der Clan der Wanyan schnitt sich Nordostchina als Herrschaftsgebiet ab, sie entstammten der Ethnie der Jurchen (später Manchu).
- Yuan, 1271-1368 - der mongolische Clan der Borjigin schaffte es, sich ganz China unter den Nagel zu reißen, musste sich dann aber auf die mongolische Hochebene zurückziehen. Dort allerdings beanspruchte der Clan als Nördliche Yuan immerhin von 1368 bis 1635 den Kaisertitel und war ein regionaler Machtfaktor.
- Ming, 1368-1662 - die Macht im Reich ging wieder in die Hände der Han, geführt durch die Familie Zhu. Deren lange Regierungszeit endete allerdings mit einer Erosion der Herrschaft, ab 1644 herrschte man als Südliche Ming nur noch über wenige Restgebiete.
- Spätere Jin, 1616-1636 - der Jurchen-Clan Aisin Gioro etablierte in Nordostchina ein eigenen Königreich und demontierte von hier aus die Herrschaft der Ming-Dynastie. Und das so erfolgreich, dass man bald das gesamte China übernahm, als ...
- Qing, 1636-1912 - die Aisin Gioro und ihre ethnisch verwandten Gefolgsleute nannten sich jetzt offiziell "Manchu" und etablierten das letzte chinesische Kaiserhaus. Dessen Herrschaft wurde durch die Revolution von 1911 endgültig beendet.
Ende der Kaiserzeit, aber nicht das Ende der Geschichte. Denn nach dem Erfolg der Revolution von 1911 folgten noch mehrere gut zu definierende Perioden:
- Zeit der Republik, 1912-1928 - die von Peking aus regierte Republik erlebte eine kurze Blütezeit, war aber spätestens seit 1916 ständigen Problemen im Inneren ausgesetzt, vor allem konkurrierende Armeeführer ("Warlords") beherrschten weite Teile des Landes mit diktatorischen Mitteln.
- Herrschaft der Kuomintang, 1928-1948 - nachdem sich die rechtslastige Kuomintang-Partei (KMT) unter General Chiang Kai-shek (1887-1975) mit zahlreichen Warlords verbündete und den Rest besiegte, wurde die Hauptstadt nach Nanjing verlegt. China wurde durch ein diktatorisches Einparteiensystem regiert, dessen Entscheidungsträger vor allem Chiang Kai-shek war. Dies führte zu Konflikten vor allem mit der 1921 gegründeten und 1927 verbotenen Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), die eigene bewaffnete Kräfte aufstellte. Die KPCh verfolgte eine Politik der Errichtung von Sowjet-Gebieten in der Provinz, effektiv begann so der Chinesische Bürgerkrieg (1927-1949). Während des Antijapanischen Krieges (1937-1945) arbeiteten KMT und KPCh offiziell und zähneknirschend zusammen gegen den gemeinsamen Feind, stellten sich aber gegenseitig Beine.
- Volksrepublik China, seit 1949 - nach dem Sieg der KPCh über die KMT rief am 1. Oktober 1949 Mao Zedong (Mao Tse-tung, 1893-1976) auf dem Tian'anmen-Platz in Peking die Volksrepublik aus. Die KMT zog sich auf die Insel Taiwan zurück und beanspruchte von dort die Herrschaft über Gesamtchina. Heute wird Taiwan von der Volksrepublik als Herrschaftsgebiet beansprucht, sieht sich selbst aber immer noch als "Republik China".
Und wer soll sich das nun alles merken? Keine Angst, muss man nicht wirklich ... die wichtigsten Perioden sind (zumindest was diesen Blog angeht) die Zeit der Drei Königreiche, Tang, Song, Ming und Qing, dazu noch die Zeit der Republik. Wer das auf die (historisch richtige) Reihe kriegt, hat schon Vorteile.
Illustration: Portrait des Hongwu-Kaisers von einem unbekannten Künstler, ca. 1377

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