Bao Zheng
Er war und ist das chinesische Idealbild des "gerechten Richters" - Bao Zheng, ein hoher Beamter der Song-Dynastie, heute noch als Vorbild für eine Rechtsprechung ohne Bevorzugung oder Korruption gesehen. Und, dem Buch "Die Geschichte von treuen Helden und rechtschaffenen Kavalieren" sei es Dank, immer wieder neu belebt. Vielleicht nicht so häufig wie sein Amtskollege Di Renjie, aber so einige Serien des C-Drama hat er doch zu verantworten.
Wobei dieser strenge Mann keine literarische Fiktion ist, sondern eine historische Figur.
Bao Zheng (包拯) wurde im Jahr 999 in der Provinz Anhui geboren, als Sohn eines Gelehrten und Beamten - standesmäßig zur "Mittelklasse" gehörend, aber nicht wohlhabend. Immerhin konnte man es sich leisten, den Sohn zur Schule zu schicken. Was sich langfristig lohnte: Mit 29 Jahren absolvierte Bao Zheng die oberste Klasse der Kaiserlichen Examensprüfungen, Jinshi (進士). Womit er für hohe Verwaltungsposten qualifiziert war, und prompt als Magistrat im Bezirk Jianchang eingesetzt wurde. Was er aber postwendend ablehnte, denn erst einmal müsse er für seine alternden Eltern sorgen. Was ihm nach den konfuzianischen Regeln niemand wirklich übel nahm.
Zehn Jahre später waren die Eltern tot, die Trauerzeit um, und Bao Zhengs Karriere konnte beginnen. Seine erste (echte) Ernennung war zum Magistrat des Bezirks Tianchang, nahe der Heimat, wo er sich einen Namen als strenger, aber gerechter Verwaltungschef machte. Und nur wenige Monate später übertrug man ihm dann dieselbe Aufgabe in Duanzhou (dem heutigen Zhaoqing), wo er vor allem gegen bis an den Kaiserhof reichende Korruption vorging.
1044 schließlich ereilte Bao der Ruf an den Kaiserhof selbst - in der Hauptstadt Bianjing (Teil des grösseren Stadtbereiches von Kaifeng) wurde er "Ermittelnder Zensor". Diese Position entsprach in etwa einem Sonderermittler des Kaisers selbst, und machte dem Inhaber regelmäßig kaum Freunde. Wie auch? Bao allein eröffnete dreizehn umfassende Strafverfahren wegen Korruption in wichtigen Behörden, nicht mehr als dreißig hohe Beamte verloren wegen seinen Ermittlungen und Empfehlungen ihre Posten. Wobei bemerkenswert ist, dass niemals eine kaiserliche Maßregelung gegen Bao ausgesprochen wurde - was in seiner Rolle eigentlich zum Berufsrisiko gehörte.
Im Jahr 1057 versetzte der Kaiser Bao dann auf einen anderen, wichtigen Posten - er wurde Magistrat der Hauptstadt und Kaifengs, somit die höchste zivile Autorität außerhalb des Kaiserhofs. In dieser Stellung blieb er bis zu seinem Tod (1062). Er lebte jedoch in Erzählungen, Legenden und sogar modernen Adaptionen als Vorbild weiter ... und wurde für sein bodenständiges Verhalten und seine Affinität zu den "kleinen Leuten" sogar im modernen China zum Leitbild.
Zu Lebzeiten erarbeitete er sich den Spitznamen "鐵面判官" - der "Richter mit dem eisernen Gesicht". Er soll nie eine Miene verzogen haben, immer unergründlich gewesen sein. Oder, wie ein populärer Spruch die Sache zusammenfasste: "Bao Zheng lächelte so häufig, wie der Gelbe Fluss klares Wasser führt." Posthum kam noch die Beschreibung als dunkelhäutig und hässlich dazu, "Bao der Schwarze" wird er etwa im C-Drama "Richter Bao erhebt sich wieder" genannt. In der chinesischen Oper wird Bao Zheng klassisch mit einem schwarzen Gesicht und einer halbmondförmigen Missbildung auf der Stirn dargestellt.
Unmittelbar an die Legenden um Bao geknüpft sind auch seine drei Hinrichtungsinstrumente (meist technisch leicht inkorrekt als "Guillotine" beschrieben - sie waren keine Fallbeile, sondern eher Hebelschneider). Diese waren unterschiedlich verziert. Die mit dem Hundekopf enthauptete einfaches Volk, die mit dem Tigerkopf beendete Beamtenkarrieren, und die mit dem Drachenkopf entleibte Mitglieder der kaiserlichen Familie.
Illustration: Ein Portrait des Bao Zheng in einem chinesischen Album mit "Portraits bekannter Männer" - der unbekannte Künstler schuf das Bild um 1900, heute ist das Album im Besitz des Philadelphia Museum of Art (USA).

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