C-Drama, J-Drama, K-Drama - alles derselbe Brei?
Die kurze Antwort lautet: "Ja, aber ..." Denn all diesen Begriffen gemein ist, dass sie sich auf asiatische Fernsehserien beziehen. Wobei das Kürzel dann zusätzlich das Herkunftsland angibt. Eben C für China, J für Japan, und K für Korea. So weit alles klar? Dann wollen wir mal, alphabetisch geordnet, etwas ins Detail gehen.
C-Drama
1958 war das Jahr, in dem die Volksrepublik China das Fernsehen entdeckte - der Sender Peking nahm den Betrieb auf. Bis 1966 wurden dann schon erste Fernsehfilme produziert und gesendet, das Publikum war aber (mangels Empfangsgeräten) schmal. Die Kulturrevolution machte solch frivoler Unterhaltung ein Ende, bis auf acht Opern (mit revolutionärem Thema), drei Spielfilme (alle Kriegsfilme) und patriotische Lieder gab es keine leichte Kost. Seit 1976 jedoch ist das Drama wieder im Aufwind, und heute (auch durch Streaming-Dienste)ein gewaltiger Industriezweig. Dabei wird zwischen "Anthologie-Serien" (ein übergreifendes Thema, aber voneinander vollkommen unabhängige Episoden) und Serien mit einer sich über alle Folgen erstreckenden Handlung unterschieden.
Bis etwa 2020 wurden die Serien immer ausufernder im Umfang, siebzig oder mehr Episoden waren bei erfolgreichen Produktionen an der Tagesordnung. Oft erreicht durch schier endlose, sich auch noch wiederholende Rückblenden. Ziel vor allem bei den Streaming-Diensten: Mehr Werbeeinnahmen. Heute gilt generell eine maximale Länge von vierzig Episoden als offizielle Richtschnur, mit der Empfehlung, eher dreißig anzustreben. Die Länge der Episoden liegt bei etwa 45 Minuten, wobei Streaming-Dienste keine einheitliche Episodenlänge anstreben müssen. Typisch sind die Cliffhanger, mit denen Episoden oftmals enden ... und sogar ganze Serien weisen ein offenes Ende auf, die Handlung scheint westlichen Zuschauern oftmals abrupt abzubrechen, obwohl noch viele Fragen unbeantwortet sind.
Die Genres im C-Drama sind vor allem Romanzen, Comedy, Horror, Familienleben, Sport, Thriller, Wuxia, Xianxia sowie nationalistische oder politische Inhalte. Dabei kann im Prinzip jede Periode der chinesischen Geschichte als Hintergrund dienen, ebenso wie ein an die Realität angelehntes oder komplett fiktionales Setting. Das beliebteste Genre ist die Romanze, etwa jede siebente Serie erzählt eine Liebesgeschichte als zentralen Handlungsstrang, mehr als doppelt so hoch wie der Anteil im "westlichen" Fernsehen. Im Gegenzug sind Krimis und/oder Thriller wesentlich seltener als im Westen.
Ein noch relativ junger Trend sind sogenannte "Mikro-Dramen", deren Folgen nur zehn bis fünfzehn Minuten lang sind - ideal für die Arbeitspause. Die neuesten dieser vor allem über Social Media verbreiteten Serien werden sogar im Handy-freundlichen Hochformat gedreht.
HK-Drama
Eigentlich sind Fernsehserien aus Hong Kong heute kaum von Serien vom Festland zu unterscheiden - seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft (1997) zumindest. Davor gab es dann doch deutliche Unterschiede. Seit Einführung des regionalen Fernsehprogrammes (1957) bemühte man sich darum, einen Spagat zwischen den Kulturen zu meistern. Oftmals mit deutlich gen Westen orientierten, anti-kommunistischen Tendenzen. Und einem Verzicht auf traditionelle chinesische Werte - Individualismus wurde mehr als das Gemeinwohl betont.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen C-Drama und HK-Drama ist die Sprache: Statt dem China-weit verwendeten Mandarin wurden die Serien in der Regionalsprache Kantonesisch produziert.
Was sogar Einfluss auf die chinesische Kulturpolitik hatte. Statt des sonst vorgeschriebenen Mandarin begann das Fernsehen in der Provinz Guangdong ab 1988 mit der Produktion von Programmen in kantonesischer Sprache, mit Segen aus Peking. Der Popularität der Programme aus Hong Kong war den kommunistischen Nachbarn schlicht zu bedrohlich geworden.
J-Drama
In Japan begann das Fernsehzeitalter schon 1939, aber erst ab 1950 wurde ein wirklich regelmäßiges Programm gesendet. Das zum Teil stark vom US-Fernsehen beeinflusst war, und schnell weite Teile der Bevölkerung erreichte. Zur Olympiade in Tokyo 1964 hatten bereits rund 90% aller japanischen Haushalte einen Fernseher, die Popularität von Filmen sank jedoch. Stattdessen wurden in den 1970ern Drama-Serien, oft mit viel Action, der Schlager. Im 21. Jahrhundert verlagerte sich die Publikumsgunst zunehmend auf Streaming-Dienste, das Angebot wurde dementsprechend noch breiter.
Die Genres in J-Drama sind grundsätzlich dieselben wie im C-Drama, wobei zeitgenössische Gesellschaftskritik deutlich offener betrieben wird.
Im Gegensatz zu C-Drama und K-Drama ist das J-Drama oftmals von kurzen Serien geprägt, etwa ein Dutzend Folgen sind dabei schon fast die Norm. Diese erzählen meist nur eine Gesamtgeschichte, aber über Episoden mit jeweils eigenem Thema und oft nicht verbundenen Handlungssträngen hinweg. Es wird deutlich auf ein junges Publikum gezielt, aktuell in der Gesellschaft diskutierte Themen dominieren vor allem in zeitgenössischen Settings. Das wird durch extrem kurze Produktionszeiten begünstigt - die einzelnen Folgen werden oft weniger als einen Monat vor Sendung gedreht, so können fast tagesaktuelle Einflüsse zum Tragen kommen.
K-Drama
Korea ist "in", und neben K-Pop ist K-Drama ein ganz wichtiger Exportartikel. Dabei aber nicht altehrwürdig, denn der Besitz von Fernsehgeräten wurden in Korea (und ich rede hier eigentlich immer nur von Südkorea) erst in den 1970ern normal. Und da Programm immer noch hausbacken und schmalspurig. Als dann aber in den 1980ern das Farbfernsehen triumphalen Einzug hielt, wuchs auch das Verlangen des Publikums nach besseren Inhalten. Dazu kam in den 1990ern ein Mehrangebot von Sendern.
In Korea sehr populär sind Serien, die zeitgenössische Thematik haben - von Familienserien bis zu humorvollem Horror, meistens mindestens mit einem romantischen Nebenthema. Hauptthemen sind aber Grundwerte wie Freundschaft, Familie und die traditionellen konfuzianischen Werte (oft im Kontrast zu "westlichem" Individualismus und Materialismus). Nicht ausgespart werden die Probleme, die in Korea den Alltag mitbestimmen: Psychische Probleme (bis hin zur häufigen Darstellung von Suizid), finanzielle Probleme, Korruption, Mobbing, Benachteiligung von Frauen, um nur einige zu nennen. Selbst das brutale Vorzeigeprogramm "Squid Game" begründet schließlich seinen Plot in solchen Abweichungen vom "heilen Leben". Neben den zeitgenössischen Serien sind auch historische Dramen sehr beliebt.
Das gängige Format im K-Drama ist eine mittellange Strecke von einem Dutzend bis zu knapp dreißig Folgen, wobei einzelne Folgen durchaus schon sechzig Minuten überschreiten können. Die jüngeren Schauspieler werden oft aus der "Idol"-Industrie rekrutiert - es ist nicht ungewöhnlich, dass Hauptdarsteller auch die Musik beisteuern, und selbst als Zombies noch Tanzeinlagen hinlegen.
Prinzipiell ist das K-Drama sowohl dem C-Drama wie auch dem J-Drama sehr ähnlich, wenn man von Sprache und Kostümierung (vor allem bei historischen Serien) einmal absieht. Was aber bemerkenswert erscheint: Trotz einer oft nihilistischen Grundstimmung vermitteln die koreanischen Serien dann doch noch einen (zumindest leicht) positiven Abschluss. Der mag dem westlichen Betrachter ab und an entgehen, Konfuzius lässt auch hier aus dem Nebel der Bedeutungen grüssen.
T-Drama
Nicht vergessen darf man natürlich die hausgemachten Serien von der Insel Taiwan, oft auch als "T.W. Drama" abgekürzt. Skurrilerweise sind die Produktionen weitaus näher an J-Drama und K-Drama orientiert als am Festland-chinesischen Mainstream. Und haben eine klar definierte Zuschauergruppe: Teenager und "Twentysomethings". Diese werden fast ausschließlich mit leichter, romantischer Kost bedient, in der aber die sexuelle Komponente nahezu komplett ausgespart wird. Klassiker sind Dreiecksgeschichten, oft auf japanischen Manga basierend und nur für Taiwan lokalisiert.
Um es mal so zu sagen: Wer sich als Freund von historischen Dramen oder Wuxia in den T-Drama-Bereich von Rakuten Viki durchklickt, der zieht meist schnell wieder weiter.
Das gängige Format im T-Drama sind zehn bis vierzig Folgen, Laufzeit jeweils 45 bis 60 Minuten. Die Sprache ist eigentlich durchweg Mandarin, Produktionen in "Taiwanesisch" (eine Variante des südchinesischen Hokkien) sind selten. In den meisten Serien wird Hokkien sparsam verwendet, meist nur in Brocken als "regionaler Akzent" von älteren oder ungebildeten Leuten.
Illustration: Verfremdete Kollage weiblicher Hauptdarstellerinnen im C-Drama (Joe Chen als Dongfeng Bubai, "Swordsman"), K-Drama (Kim Hee-sun als Yoo Eun-soo, "Faith - The Great Doctor") und J-Drama (Takeda Rena als Senke Shinobu, "Isekai Izakaya Nobu").

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